Film und TV

The Cove - Die Bucht: Dokumentation über den Delfinfang in Taiji

Dominik 29. September 2009

Bereits vor 1,5 Jahren habe ich mich mit dem Thema Online beschäftigt und nun sind die damals bereits entstandenen Aufnahmen einiger Tierschützer zu einem Dokumentationsthriller im Born Stil zusammengeflickt worden und kassieren endlos Preise. Die Rede ist von der Kritik am Delfinfang in Taiji, einem kleinen Fischerdort in der Region Nara. Hier werden jährlich ca. 23.000 Tiere gefangen, an Aquarien verkauft und zu Lebensmitteln verarbeitet. Wer die Videos von Youtube kennt weiß, dass es eine ziemlich blutige Angelegenheit ist und das Fleisch Quecksilber enthält. Jetzt ist man als objektiver Beobachter natürlich ein wenig hin und hergerissen zwischen Wahrheit und subjektivem Eindruck der Beteiligten Parteien. Tierschützer geben an der enthaltene Anteil sei extrem giftig, während japanische Forscher Entwarnung, auf Grund nur geringer Mengen geben. Nicht bezweifelt werden kann dabei, dass es sich natürlich um die eigene Interessenverwirklichung dabei handelt und die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte zu finden ist. Persönlich bin ich, wie viele wissen, ein absoluter Gegner von Wal- und Delfinfang, allerdings muss man ja ehrlicherweise zugeben, dass es ein wenig geheuchelt ist.

Setzen wir mal an dem Punkt an mit dem die meisten Leute argumentieren, die Intelligenz der Tiere. Diese steht außer Frage, aber ist es legitim danach zu richten welches Tier geschlachtet und welches nicht geschlachtet werden darf? Eigentlich nicht, denn es wäre ja auch bei Menschen ein Unding zu selektieren wer klüger ist und somit überleben darf. Natürlich ist es eine rationale Wahl zu sagen „das Lebewesen, welches mir den meisten Vorteil bereitet soll überleben”, aber möchte man als Mensch so eiskalt und kalkulierend sein? In der Tat wohl kaum.

Ferner dürfte man auch keine Schweine schlachten, bei denen ist schließlich auch die Intelligenz in hohem Maße vorhanden. Gehen wir aber mal auf den Punkt ein, welcher meiner Meinung nach eine legitime Kritik an dem Thema zulässt, der ökologische Gedanke. Fest steht (als nicht Biologie bitte ich um etwas Nachsicht und/oder Aufklärung), dass zumindest Wale in hohem Maße wertvoll für das ökologische Gleichgewicht der Weltmeere sind und somit im Falle einer Ausrottung, selbiges auf der Kippe steht. Das scheint jedoch durch reichlich nicht vorhandenen Informationsfluss in den japanischen Medien noch längst nicht bei den Japanern angekommen zu sein welche der Meinung sind, es gäbe ja genug Wale. Da machen Aussagen von zuständigen Ministern, dass Wale zu viel Fisch fressen würden, auch nicht grade Hoffnung in Sachen Aufklärungsarbeit. Das viele Arten sich von Plankton ernähren, scheint dabei absolut unwichtig zu sein und außerdem hat kein Mensch die Japaner gezwungen Fisch zu essen. Der Vergleich auf japanischer Seite mit dem Töten von Kühen und Schweinen hinkt meiner Meinung nach auch extrem stark, sofern man sich vor Augen hält, dass es sich hierbei um Zuchttiere handelt. Hierbei sollte dann erneut aber auch nur der ökologische Faktor zählen, sonst kann man sich als kritischer Westler auch nicht ernst nehmen.

 

Zurück zum Film: Bis dato habe ich diesen noch nicht gesehen und entgegen aller anfänglichen Aussagen soll er wohl doch in Japan gezeigt werden. Tatsächlich ist es so, dass extrem viele Japaner keine Ahnung haben, dass es Delfinfang gibt und wenn sie es doch haben, so zumindest nicht in diesen Größenordnungen. Auch Delfine zählen hier oftmals als niedliche Tiere, was bei Walen dann wiederum anders ist. Es bleibt auch festzuhalten, dass die meisten jungen Japaner weder Wal noch Delfin essen und auch nicht essen wollen, wohl aber weniger aus ethischen Gründen, als vielmehr aus Ablehnung des tranigen Geschmackes. In Hinsicht auf das Fischerdorf Taiji bleibt zu sagen, dass es sich hierbei um eine wichtige Einnahmequelle für die Fischer handelt und sollte diese versiegen, es den Ruin mit sich bringen könnte. Demnach muss hier der Politik ein Vorwurf gemacht werden, denn an dieser muss es liegen alternative Überlebensmöglichkeiten für Fischer zu schaffen und somit neue Pfade zu ebnen, die den Menschen das Überleben sichern. Anstatt also Millionen von Yen in die Subventionen des Walfangs zu stecken, hätte man das Geld auch schon längst für neue Methoden des Ackerbaus, Kultivierung oder (super Idee übrigens) nachhaltige Fischerei und Fischzucht einsetzen können. Ansonsten werden die Japaner sich nämlich bald auf weitere Erfindungen der Marke „Falscher Kaviar aus Apfelsaft” einlassen müssen. Dies wäre also wünschenswert, passiert natürlich aber nicht, weil die Ministerien ja überhaupt kein Interesse daran haben diese Tradition abzuschaffen. Welche wirtschaftlichen Belange sich dahinter verbergen sind mir schleierhaft, aber zumindest in Bezug auf die USA macht sich hier eine Art rebellische Position der Japaner bemerkbar. Während man in Sicherheitsfragen noch immer stark abhängig ist, schlägt man dem großen Partner und seiner Kritik am Walfang in diesem Bezug ein Schnippchen und sieht es überhaupt nicht ein selbige anzunehmen. Im Grunde ist dies ja auch verständlich, denn während sowohl die USA als auch Deutschland den Walkörper auf Grund des Fettes zur Herstellung von Waschmittel und Petroleum jagten (Firma Henkel), verwendeten die Japaner seit jeher den kompletten Walkörper. Dementsprechend kann ist es gut nachzuvollziehen, dass man sich gerade von den USA in diesem Bezug nichts sagen lassen will. Das der Delfin, ebenso wie bereits der Eisbär, natürlich auf Grund seiner Niedlichkeit ein ideales Mittel ist um Leute für den Naturschutz zu begeistern und lediglich Mittel zum Zweck ist sollte klar sein. Denn wer würde sich groß über den Fang von jährlich 23.000 Makrelen aufregen. Zum Film selber sollte man natürlich alles mit Vorsicht genießen denn es ist ja, so wie bei allen Dokumentationen, die Frage, ob inhaltlich alles korrekt wiedergegeben wird, oder zu Gunsten des guten Vorsatzes Dinge hinzugedichtet, reißerisch präsentiert werden.

 

Was kann man also festhalten:

- Man sollte die Tötung von Lebewesen nicht an Kriterien wie Intelligenz/ Niedlichkeit festlegen, wohl aber am ökologischen Faktor
- Den Menschen deren Leben auf dem Wal- und Delfinfang beruht muss eine Alternative geboten werden um zu überleben
- Es müssen effektive Messmethoden eingeführt werden um die Anzahl der Wale und Delfine genau registrieren zu können und somit die Population nicht zu gefährden.
- Kritik ja, aber bitte mit genügend Hintergrundwissen über Kultur und Einstellung der jeweiligen Länder. Ansonsten machen vor allem Japaner die Schotten dicht und dann rennt man gegen Wände und erreicht gar nichts.

Erdbeben erschüttert Japan

Dominik 12. August 2009

 

Um 5:07 wache ich auf, die Wände wackeln, mein Tisch bewegt sich: Erdbeben. Anstatt abzuflachen wird es stärker und ich springe auf, schnappe den Beutel mit meinen Bankkarten und dem Geld und laufe so schnell es geht unter den Rahmen der Stahltüre am Eingang. Nach einigen Sekunden des Schreckens ist es vorbei und ich bleibe mit einem unruhigen Gefühl im Magen zurück.

Die Nachrichten laufen heiß, denn bereits seit langem wird in dieser Region ein starkes Erdbeben erwartet wie damals in Kobe, wo viele Menschen starben. Das Zentrum befand sich dieses mal 20 km unter dem Meeresspiegel, in der Nähe von Shizuoka, wo eine Stärke von 6 gemessen wurde. Hier in Mishima wurden lediglich 5 auf der Skala gemessen. Bis auf einige Straßenschäden, eingestürzte Mauern und andere Marginalschäden, ist nichts passiert und das obwohl das Erdbeben von Kobe eine Stärke von 7 hatte. Dies zeigt wie groß die Fortschritte seit damals in der Architektur und den Vorbeugungsmaßnahmen sind.

Seit ca. 30 Jahren sind die Vorschriften in Shizuoka für den Bau von Gebäuden demnach besonders streng. Zuerst werden Stahlpfeiler 14 Meter in den Boden, wo die Erdschicht noch ein wenig härter ist eingelassen und kurz unter der Oberfläche kreuz und quer verbunden. Auch die Deckenbauart hat sich verändert, so dass die oberen Stockwerke wesentlich leichter geworden sind. Dort wo die Straße enger als 6 Meter ist müssen zudem Stahlnetze, jetzt weiss ich endlich was das ist, in die Glasfenster eingearbeitet werden. Als Konsequenz vom Erdbeben am Dienstag ist die Tomei Autobahn bis dato gesperrt, kann sein dass dort Brücken Risse bekommen oder abgesackt sind.

Ich hoffe mal vorher nach Hause kommen zu können, bevor ich hier einem Beben der Stärke 8 oder 9 begegne.

Filmtipp: The Magic Hour

Dominik 19. Juli 2009

Während meines Auslandsjahres war ich ziemlich oft in Roppongi Hills im Kino. Wahrscheinlich auch weil es gerade für ausländische Studenten für japanische Verhältnisse extrem günstig war. Mit Torokusho und Studenten ID Karte kostete der Eintritt dort immer 1000 Yen, was selbst für deutsche Kinos nicht teuer ist. Dementsprechend war ich auch öfters dort habe mir aber meistens westliche Blockbuster angesehen, da japanische Filme meistens nicht so meinen Geschmack treffen (koreanische da schon eher). Als mich mein Kumpel Jumpei Kamimura dann überredete doch mit ihm “The Magic Hour” anzusehen war ich zunächst skeptisch, was sich im nachhinein als unbegründet erwies. Kurzum ist The Magic Hour (ザ・マジックアワー) für mich einer der besten japanischen Filme überhaupt.

Dieser Film von 2008 vom Regisseur Koki Mitani erzählt die Geschichte eines kleinen Gangsters der ein Verhältnis zur Frau seines Bosses hat. Als die beiden dann erwischt werden und einbetoniert werden sollen, gibt er vor einen bekannten Killer zu kennen den der Boss schon seit Ewigkeiten engagieren möchte. Da dem nicht so ist heuert er schließlich einen Schauspieler an und inszeniert einen fiktiven Filmdreh um sein Lügenmärchen nicht auffliegen zu lassen. Dementsprechend kommt es immer wieder zu extrem komischen Situationen, die mein Zwerchfell deutlich in Anspruch genommen haben. Beispielsweise wenn Koichi Sato, der den angeheurten Schauspieler mimt, in seiner Rolle als Pseudo-Killer im Büro von Boss Teshio 3x hintereinander dessen Brieföffnermesser mit seiner Zunge ableckt nur um den perfekten Killer zu spielen, während Boss Teshio mit offenem Mund die Situation beobachtet. Bemerkenswert sind auch die Filmsettings, die ein wenig italienisches Flair versprühen und nun so gar nicht zu japanischen Architekturen passen.

Wer also eine wirklich sehenswerte, aber nicht überdrehte, Komödie sehen möchte sollte sich “The Magic Hour” einmal zu Gemüte führen. Ich wurde prächtig unterhalten mit wirklich niveauvoller Komik und ohne nervigen Slapstick. Der Film zieht sich stellenweise zwar ein wenig und einige Charaktere kommen nicht so gut zur Geltung wie man es sich gewünscht hätte, und dennoch lege ich jedem der diesen Artikel liest diesen Film ans Herz.

PS: So ganz nebenbei ist der Film übrigens ziemlich gut auf Japanisch zu verstehen.

Rammstein Konzert in Kawasakai Japan

Dominik 18. Juli 2009

Habe eben mal ein wenig bei Youtube mein Unwesen getrieben und ein paar live Videos von Rammstein in Japan entdeckt. Ich persönlich bin ja jetzt nicht so der Fan von denen, aber die Live-Shows sind von der Ausstattung und Performance schon wirklich extrem gut. Es gab wohl mal ein Konzert wo Rammstein bedingt durch die extremen Effekte keinen Gewinn eingefahren hat. Sehr paradox zu sehen wie die Japaner auf unsere deutschen Vorzeige Rockband abgehen. Man kann wohl sagen, dass Rammstein die bekannteste deutsche Band überhaupt ist. Bis dato kannte die fast jeder, egal ob Schwede, Amerikaner, oder Japaner. Wer hätte das gedacht :)

Rammstein perfoming in Japan

Evangelion 1.0 Trailer erschienen

Dominik 13. Juli 2009

Eben noch kurz nen Blick auf die Apple Trailer-Sektion geworfen und schwupps, fällt mir doch da ein Evangelion Trailer ins Auge. Dachte schon der vor gefühlten 100 Jahren angekündigte Realfilm sei nun doch fertiggestellt worden, aber anscheinend handelt es sich nur um eine modifizierte und aufgepeppte Version der Serienhandlung. Ob es sich nur um Folge 1 mit ein paar Erweiterungen oder was ganz anderes handelt hab ich spontan aber nicht rausfinden können.

Hier der Link zum Trailer: Trailer bei Apple

Die Musik kann schonmal was und die Effekte schaun auch was aufgefrischt aus.

Update: So hab mal gegooglet und jetzt fällt mir auch wieder ein, dass Gainax ja 4 neue Filme auf den Markt schmeißen wollte und es sich hierbei um das US Release vom Ersten Film handelt. Zum größten Teil scheint es sich um die Handlung der Episoden 1-6 zu handeln, die man zu einem Film verwurstet hat um die Geldmaschinerie mal anzukurbeln. In Japan dürfte mittlerweile schon 2.0 in den Kinos gelaufen sein.

Egal EVA rockt.

Filmtipp “Go” von Isao Yukisada

Dominik 5. Juli 2009

Heute mal ein Filmtipp von mir.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kazuki Kaneshiro wird in “Go”(ゴー) die Problematik der zainichi (在日) im Japan der Gegenwart thematisiert. Es handelt sich dabei um in Japan geborene Personen koreanischer Abstammung. Das Thema ist auf jeden Fall interessant, denn viele Koreaner weigern sich noch immer die japanische Staatsbürgerschaft zu akzeptieren, da man einen japanischen Namen wählen muss und die koreanische Staatsbürgerschaft verliert. Man könnte von einem Assimilierungsprozess sprechen.

Die Geschichte handelt von Sugihara dessen Familie aus Nordkorea stammt. Er selber ist in Japan geboren und besucht eine nordkoreanische Schule. Während sein Vater, aus egoistischen Gründen wie Sugihara zunächst vermutet, die nordkoreanische Staatsbürgerschaft aufgibt versucht sich Sugihara stück für stück in die japanische Gesellschaft zu integrieren. Er wechselt auf eine japanische Schule und lernt ein Mädchen kennen in das er sich verliebt. Doch wird seine Herkunft zu einem Problem zwischen den beiden?

Ich will nicht so viel verraten denn sonst braucht ihr den Film gar nicht zu sehen (gleichzeitig spare ich mir das Getippe :P). Der Film beschreitet eigentlich einen sehr guten Weg, auf der einen Seite zeigt er die Diskriminierung von Koreanern in der japanischen Gesellschaft und auf der anderen Seite den Unwillen einiger Koreaner sich zu integrieren (separierte Schulen und gelehrter Nationalismus). Gleichzeitig wird das Problem der Ethnizität angesprochen, denn viele Japaner haben noch immer den Gedanken der Rassenreinheit (nihonjinron) vor Augen und verurteilen gemischte Beziehungen, speziell mit Chinesen und Koreanern. Der Film stellt die Koreaner nicht als alleinige Opfer dar sondern versucht Menschen und ihre individuelle Einstellung zu dem Thema zu zeigen.

Go ist nicht reißerisch oder provokant, sondern ehrlich.

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